Erkrankt an Gesundheit

1. Einleitung: Ziel und Begriffe

Die Verfechter des Gesundheitskultes sind an ihrer Gesundheit, an ihrem Gesund-Sein-Wollen erkrankt und verfallen immer mehr der okkulten Heilkunde. Insofern werden manchmal auch solche Okkultisten wie Jim Humble bekannt. Er ist ein Fallbeispiel schlechthin. Mit seinen Ideen wird man meistens indirekt konfrontiert, indem man – ganz im Sinne des Erfinders – das MMS-Heilmittel empfohlen, angeboten bekommt. Diese Konfrontation verläuft jedoch meistens unkritisch, weil seine Ideen in wohlklingende Worte zur Gesundheit verpackt sind. Dies dürfte einer der Hauptgründe dafür sein, warum es derzeit auch im deutschsprachigen Raum keine ausführliche Abhandlung zu diesem Thema gibt, obwohl es durchaus offensichtlich bleibt, dass Humble einer der Erzbischöfe seiner 2010 gegründeten Sekte ist, deren sogenannte Sakramente, etwa das MMS-Heilmittel, auf okkulten Ideen beruhen.

NOTIZ: Okkultismus – von lateinisch occultus: verborgen, verdeckt, geheim.

Das Ziel dieser Arbeit ist ein zweifaches: Zum einen wird die erste ausführliche Aufklärung über Humbles Sekte und deren Pseudo-Sakramente bzw. Heilmittel ermöglicht; zum anderen wird die Grundstruktur der okkulten Heilkunde skizziert, wobei Humble exemplarisch dafür in Betracht gezogen wird. Diese Grundstruktur – das sei bereits erwähnt – besteht im Allgemeinen darin, dass unter dem Vorwand einer Heilung hochgradig okkulte Praktiken und Ideen verbreitet werden. Die vorliegende Schrift bildet den ersten Teil. Im zweiten Teil soll Humbles Genesis II Sekte analysiert werden, im dritten – ihre Produkte, im vierten – Humbles Invasion, abschließend sollen die Grundelemente der okkulten Heilkunde abgeleitet und erläutert werden.

NOTIZ: MMS gilt als eins der wichtigsten Sakramente der Genesis II Sekte von Jim Humble.

Die Recherche beruht insbesondere auf primären Quellen, das heißt auf Schriften von Humble oder seinen Anhängern. Der erste Teil gibt jedem die Möglichkeit, sich über Humbles Weltbild zu informieren, ohne dafür tausende von Seiten lesen zu müssen, beispielsweise mehr als 200 englischsprachige MMS-Newsletters, was allerdings in meinem Fall notwendig war. Dieser Überblick ist wichtig, da auch viele Befürworter Humbles sein okkultes Weltbild entweder lückenhaft oder gar nicht kennen, dieses aber (unbewusst) mit Geld und Empfehlungen unterstützen.

Vorab einige Begriffserklärungen. Unter der Heilkunde ist hier die Alternativmedizin zu verstehen. Gemäß dem Klinischen Wörterbuch Pschyrembel ist Alternativmedizin – bzw. Heilkunde – ein umstrittener und unscharfer „Sammelbegriff für diagnostische und therapeutische Verfahren, die anstatt der Methoden der sogenannten Schulmedizin eingesetzt werden […]. Meist fehlen überzeugende Daten zur klinischen Evaluation; die theoretischen Erklärungsmodelle erscheinen spekulativ“1. Umstritten und unscharf ist der Begriff nur deswegen, weil Heilpraktiker ihre Methoden als bewiesen betrachten. Für die vorliegende Arbeit ist aber diese Unschärfe irrelevant, weil es nicht um die Zuordnung einzelner Heilmethoden geht. Es wird viel mehr gezeigt, dass die Heilkunde in der Regel – um nicht zu sagen ausschließlich – auf Okkultismus basiert. Unter Okkultismus ist dabei eine weltanschauliche Bewegung zu verstehen, die mit einem geheimen und übersinnlichen Wissen operiert. Und selbst wenn man Humbles Ideen als esoterisch oder spirituell bezeichnen würde, würde es nichts an der Tatsache ändern. Wichtiger ist zu wissen, welchen Sachverhalt ein bestimmter Begriff beinhaltet. Bezeichnet man beispielsweise eine Katze als Blume, so wird sie dadurch nicht zum Elefanten.

NOTIZ: Sekte – ist eine religiöse Richtung bzw. Gruppierung, die sich auf das Christentum bezieht, aber es nur teilweise anerkennt. Humble führt z. B. seine Bischofslinie auf Christus zurück.

Fußnoten

1 Willibald Pschyrembel et al., Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 57. Abkürzungen des Originals hier ausgeschrieben.

Das Quellenverzeichnis findest du in meinem Buch zu diesem Projekt.