Bild: Heilkunde

Erkrankt an Gesundheit

Kritik der okkulten Heilkunde: Jim Humble, Genesis II, MMS

Bild: Kostenloses Buch von Oleg Merkel. Titel: Erkrankt an Gesundheit. Über Grundelemente der okkulten Heilkunde am Beispiel von Jim Humble und seiner Sekte.
Veröffentlicht: 01.12.2016

Mit diesem Projekt möchte ich die Grundelemente der okkulten Heilkunde kritisch erarbeiten, damit diese Phänomene effektiver entlarvt werden. Das geschieht hier am Beispiel von Jim Humble und seiner Sekte Genesis II. Humble hält sich für einen Gott der Andromedagalaxie und behauptet mit seinem MMS-Präparat (fast) alles heilen zu können. Hier kannst du den ersten Teil online lesen oder herunterladen.

Das Buch unterliegt der Creative Commons Lizenz: BY-NC-ND. Es darf also verbreitet werden, aber nur mit Namensnennung, in nicht kommerziellen Zwecken und unverändert. Die Verbreitung und Aufnahmen von Teilen dieses Buches sind verboten.


1. Einleitung: Ziel und Begriffe

Die Verfechter des Gesundheitskultes sind an ihrer Gesundheit, an ihrem Gesund-Sein-Wollen erkrankt und verfallen immer mehr der okkulten Heilkunde. Insofern werden manchmal auch solche Okkultisten wie Jim Humble bekannt. Er ist ein Fallbeispiel schlechthin. Mit seinen Ideen wird man meistens indirekt konfrontiert, indem man – ganz im Sinne des Erfinders – das MMS-Heilmittel empfohlen, angeboten bekommt. Diese Konfrontation verläuft jedoch meistens unkritisch, weil seine Ideen in wohlklingende Worte zur Gesundheit verpackt sind. Dies dürfte einer der Hauptgründe dafür sein, warum es derzeit auch im deutschsprachigen Raum keine ausführliche Abhandlung zu diesem Thema gibt, obwohl es durchaus offensichtlich bleibt, dass Humble einer der Erzbischöfe seiner 2010 gegründeten Sekte ist, deren sogenannte Sakramente, etwa das MMS-Heilmittel, auf okkulten Ideen beruhen.

NOTIZ: Okkultismus – von lateinisch occultus: verborgen, verdeckt, geheim.

Das Ziel dieser Arbeit ist ein zweifaches: Zum einen wird die erste ausführliche Aufklärung über Humbles Sekte und deren Pseudo-Sakramente bzw. Heilmittel ermöglicht; zum anderen wird die Grundstruktur der okkulten Heilkunde skizziert, wobei Humble exemplarisch dafür in Betracht gezogen wird. Diese Grundstruktur – das sei bereits erwähnt – besteht im Allgemeinen darin, dass unter dem Vorwand einer Heilung hochgradig okkulte Praktiken und Ideen verbreitet werden. Die vorliegende Schrift bildet den ersten Teil. Im zweiten Teil soll Humbles Genesis II Sekte analysiert werden, im dritten – ihre Produkte, im vierten – Humbles Invasion, abschließend sollen die Grundelemente der okkulten Heilkunde abgeleitet und erläutert werden.

NOTIZ: MMS gilt als eins der wichtigsten Sakramente der Genesis II Sekte von Jim Humble.

Die Recherche beruht insbesondere auf primären Quellen, das heißt auf Schriften von Humble oder seinen Anhängern. Der erste Teil gibt jedem die Möglichkeit, sich über Humbles Weltbild zu informieren, ohne dafür tausende von Seiten lesen zu müssen, beispielsweise mehr als 200 englischsprachige MMS-Newsletters, was allerdings in meinem Fall notwendig war. Dieser Überblick ist wichtig, da auch viele Befürworter Humbles sein okkultes Weltbild entweder lückenhaft oder gar nicht kennen, dieses aber (unbewusst) mit Geld und Empfehlungen unterstützen.

Vorab einige Begriffserklärungen. Unter der Heilkunde ist hier die Alternativmedizin zu verstehen. Gemäß dem Klinischen Wörterbuch Pschyrembel ist Alternativmedizin – bzw. Heilkunde – ein umstrittener und unscharfer „Sammelbegriff für diagnostische und therapeutische Verfahren, die anstatt der Methoden der sogenannten Schulmedizin eingesetzt werden […]. Meist fehlen überzeugende Daten zur klinischen Evaluation; die theoretischen Erklärungsmodelle erscheinen spekulativ“1. Umstritten und unscharf ist der Begriff nur deswegen, weil Heilpraktiker ihre Methoden als bewiesen betrachten. Für die vorliegende Arbeit ist aber diese Unschärfe irrelevant, weil es nicht um die Zuordnung einzelner Heilmethoden geht. Es wird viel mehr gezeigt, dass die Heilkunde in der Regel – um nicht zu sagen ausschließlich – auf Okkultismus basiert. Unter Okkultismus ist dabei eine weltanschauliche Bewegung zu verstehen, die mit einem geheimen und übersinnlichen Wissen operiert. Und selbst wenn man Humbles Ideen als esoterisch oder spirituell bezeichnen würde, würde es nichts an der Tatsache ändern. Wichtiger ist zu wissen, welchen Sachverhalt ein bestimmter Begriff beinhaltet. Bezeichnet man beispielsweise eine Katze als Blume, so wird sie dadurch nicht zum Elefanten.

NOTIZ: Sekte – ist eine religiöse Richtung bzw. Gruppierung, die sich auf das Christentum bezieht, aber es nur teilweise anerkennt. Humble führt z. B. seine Bischofslinie auf Christus zurück.

2. Lebensdaten: Jim Humble zum Einstieg

Der Amerikaner Jim Humble ist etwa 1932 geboren1 und lebt momentan in der Nähe von Guadalajara, der zweitgrößten Stadt in Mexiko.2

Humble soll in einer christlichen Familie aufgewachsen sein.3 Er erwähnt seine Frau, die mehrmals den okkulten Feuerlauf praktizierte,4 und seinen Sohn.5 Seine Tochter Paris Humble-Chavez ist eine aktive Scientologin und verbreitet unter anderem ein Audio-Buch ihres Vaters über MMS.6

Seine Arbeit in der Gesundheitsbranche begann Humble in den 50er Jahren als Manager eines Bioladens in der Alverado Street von Los Angeles.7

Anschließend ging er für zwanzig Jahre in die Luft- und Raumfahrtindustrie.8 Dort habe er an Atombombentests, Interkontinentalraketen und Energiegewinnung aus Plasma mitgewirkt, er habe für die Hughes Aircraft Company die erste computergesteuerte Maschine in den USA angeschlossen, und er soll außerdem im Versuchslabor für Abwehrtechnik von General Motors das Mondfahrzeug repariert haben.9

Er behauptet vierzig Jahre lang Goldgräber gewesen zu sein.10 Nach dem Kalten Krieg (also ca. 1989) ging er in die Goldabbau-Industrie bzw. Goldminen.11 In dieser Zeit habe er fünf Bücher geschrieben, „hauptsächlich über die Förderung von Gold und die verschiedenen Arten des Goldwaschens“12.

1996 war er als Goldgräber im Urwald Südamerikas unterwegs.13 Dort heilte er angeblich mit einem Wassereinigungsmittel einige Männer von Malaria. Danach reiste er durch den Dschungel von Guyana und behandelte auf gleiche Weise andere Menschen. Als seine anschließende Behandlung in der Stadt von der Regierung verboten wurde, ging er in die USA zurück, wo er an seinem Wunderheilmittel, später MMS genannt, weiter experimentierte. Inzwischen soll MMS von fast allen Krankheiten heilen.14 Für Humble ist es die größte Erfindung, die unsere Welt verändern soll.15

NOTIZ: Die angebliche Heilkraft gegen (fast) alle Krankheiten ist ein charakteristisches Merkmal aller okkulten Heilmittel.

Grundsätzlich bezeichnet sich Humble gerne als Erfinder. Er behauptet über 30 Bücher geschrieben und mehr als 200 erfolgreiche Produkte und viele Erfindungen gemacht zu haben.16 Beispielsweise soll er den ersten automatischen Garagentoröffner erfunden haben,17 außerdem – eine neue Methode der elektrischen Schaltung, ein elektronisches Wasserreinigungsverfahren, einen neuen Hubschrauber, eine alchemistische Methode die Atomstrahlung auf Null zu setzen und vieles mehr.18 Darüber hinaus beschäftigt er sich unter anderem mit solchen okkulten Heilmethoden wie Magnetismus.19

Humble war fünfundzwanzig Jahre lang aktiver Mitglied bei Scientology (ca. 1956–1981), also etwa von seinem 24. bis zum 49. Lebensjahr.20

2010 gründete er die Sekte Genesis II, Church of Health & Healing (Genesis II [Zweite Schöpfung], Kirche für Gesundheit und Heilung) und bezeichnet sich inzwischen als Erzbischof James V. Humble.21

Nicht zuletzt behauptet Humble ein außerirdischer Gott der Andromeda-Galaxie zu sein.22

3. Humbles Weltbild: Götter im Disneyland

3.1 Gefangene Aliens als Erlöser

In einem MMS-Newsletter bezeichnet Humble seine Ideen treffend als „ziemlich fantastisch“1. Denn sein Weltbild besteht darin, dass die Aliens bzw. Götter der Andromeda-Galaxie unsere Zivilisation auf ein höheres Niveau bringen können, indem sie eine Welt ohne Krankheit und Leid errichten.2

Humble erzählt in einem Video-Interview folgendes über Aliens:3 Es gab in der Andromeda-Galaxie ein Planet der Götter, auf dem eine Million Götter lebten – und Humble war einer von ihnen. Sie spielten, schufen Planeten und Sterne. Irgendwann wollten sie auch für andere etwas Gutes tun. Sie beschlossen sich dafür in einer Milliarde von Jahren außerhalb der Andromeda-Galaxie, nämlich auf der Erde zu treffen. Die meisten Götter bauten sich in ihren Geist ein Implantat ein, um später an die Vereinbarung erinnert zu werden. Dann stellten sie die Erde auf die dritte Laufbahn, besiedelten sie mit Tieren und brachten das Wasser vom Mars. Eines Tages stürzte auf die Erde ein Raumschiff ab. Es überlebte nur eine Person – es war Eva, für welche die Götter Adam fanden.4

Das Böse erklärt Humble damit, dass es in der Andromeda-Galaxie eine Zivilisation gibt, die ein böser Herrscher namens Menso Nora regiert.5 Mittels seiner Implantate inszeniert er Kriege, um die Erde zu zerstören, bevor die Götter zusammenfinden. Diese Implantate hatten Hitler, Stalin usw. Da aber alle – nicht nur Despoten – dieses Implantat bekommen, wurde die Erde bereits mehrmals durch Atomkriege zerstört. Das Böse existiert also auch in Göttern:

ZITAT: Übel und Brutalität existieren in jedem von uns, nur lassen wir es niemals zu, dass sie die Oberhand bekommen. […]. Unsere guten Absichten sind tausendmal stärker als das Böse in uns und das Böse, das überall in der Welt existiert.6 (Jim Humble)

Außerdem – erzählt Humble – haben fünf große Zivilisationen beschlossen, die Erde zum Gefängnis zu machen. Die Raumstationen gehören diesen Zivilisationen, die alles überwachen und alle Freiheitsdenker auf der Erde isolieren, da sie hinsichtlich der Reinkarnation nicht getötet werden können. Nach dem Tod bekommen die Gefangenen im Himmel erneut ein Implantat, das sie zurück auf die Erde führt und alle Erinnerungen an früheres Leben auslöscht. Zusätzlich werden die Gefangenen krank gemacht, damit sie an nichts anderes mehr denken.7

Bild: Ein Alien. Herrscher Xenu der Scientology-Mythologie wird ähnlich dargestellt. Auch Humble spricht im besagten Interview von Aliens mit großen Augen.

NOTIZ: Ähnlich wie die Xenu-Geschichte des Science-Fiction-Autors und Scientology Gründers Ron Hubbard: Implantate, Erde als Gefängnis-Planet usw. Humble war 25 Jahre aktiver Scientologe.

Somit werden alle Krankheiten von Humble als böse Machenschaften verstanden: Es gebe wohl weltweit Labors, in denen „böse Jungs“ eine für alle tödliche Krankheit entwickeln können.8 Humble glaubt also an Aliens bzw. Götter aus der Andromeda-Galaxie, die mit ihrer Friedensmission auf der Erde sind. Aufgrund der Gefangenschaft in Gebrechen haben die Götter zwar ihre Kräfte teilweise eingebüßt, aber sie könnten immer noch Frieden stiften:9

ZITAT: Ich glaube, dass vor Millionen von Jahren auf einem Planeten einer weit entfernten Galaxie eine Gruppe von uns war. Es gab eine kleine Anzahl von uns, weniger als eine Million. […]. Wir waren Götter und haben damals vereinbart, uns in der fernen Zukunft zu treffen, um Menschen zu helfen Kriege, Brutalität und Krankheit zu überwinden. Wir sind nicht mehr Götter. Jetzt sind wir ein Teil der Menschheit, aber wir sind gekommen, um diese Arbeit zu tun10 (Jim Humble)

Man könnte meinen, dass Humble den Göttern ihre Macht abspricht. Doch das ist nicht der Fall. Er lehnt zwar die direkte Rettung durch Götter ab (was einer okkulten Selbsterlösung entspricht), aber er betont gleichzeitig diese beinahe eine Million Wesen als diejenigen, die sich an den Rettungsplan erinnern können. Somit werden sie als eine kleine Gruppe der Auserwählten bzw. Elite dargestellt. Humble dazu:

ZITAT: Ohne viele Details zu besprechen, haben wir schließlich vereinbart, zu Beginn des dritten Millenniums uns auf der Erde zu versammeln, um den Frieden auf Erden und in der Galaxie zu schaffen. Dieser Traum beinhaltet die Tatsache, dass wir unsere Kräfte verloren haben […]. Aber das war ein Teil des ,großen Plans‘.11 (Jim Humble)

Dabei betont Humble immer wieder, dass er und die Seinen nicht von einer Gottheit auserwählt sind, sondern aus eigener Initiative aufwachen: „Nicht, weil sie [Götter] gewählt wurden, sondern weil sie sich entschieden zu helfen“12. Dennoch versucht Humble mit seinen Aliens-Geschichten eigene Elite zu markieren, wenn er schreibt: „Ein Mann konnte nicht kommen und die Erde retten“. Deshalb kommt er und die Seinen, um nicht die Liebe zu predigen, sondern zu handeln und durch „Integrität der guten Menschen“ die Welt zu retten.13 Damit spielen Humble und sein MMS eine Schlüsselrolle: Denn MMS soll die Kranken aus dem Gefängnis-Planeten befreien. Und Humble sieht sich als Erfinder dieses Heilmittels:14

ZITAT: Schließlich entdeckte ich MMS im Dschungel Südamerikas und ich wusste, dass es das war. Es gab keinen Zweifel in meinem Kopf, dass MMS diesen Planeten verändern würde.15 (Jim Humble)

Er begreift sich somit als einen der Götter und Erfinder von einem Heilmittel, das ein neues Zeitalter des Friedens ermöglichen soll.

Außerdem betont Humble immer wieder die Überlegenheit der sogenannten guten Spieler gegenüber den bösen: Es gebe momentan nur einen Spieler pro 100.000 Menschen.16 Die Spieler seien „Menschen des Friedens“ und würden nie einen Krieg beginnen,17 da sie auf einem höheren spirituellem Niveau seien: „Es gibt diejenigen von uns, die dieses Niveau erreicht haben. […]. Es ist das größte Maß von allen, zumindest bis zu diesem Zeitpunkt“18, schreibt Humble. Dabei stellt er sich an die Spitze der Hierarchie, weil er die Geheimnisse des Spiels bzw. des Lebens entdeckt haben soll. Deshalb bestehe seine Aufgabe in Überwindung des Bösen:

ZITAT: [Ich hatte] den Vorteil, den die meisten anderen nicht haben. Mein Gedächtnis deckt viele Leben in meiner Vergangenheit ab. Ich erinnere mich an hunderttausende von Jahren und viele Leben in der Suche nach Erleuchtung. Deshalb bin ich bestrebt dieses Buch [Erleuchtung] zu schreiben. Sie könnten auch die Geschichte der Erde lesen, die eine Periode der letzten zwei Milliarden Jahre abdeckt und von einem Plan erzählt, der schließlich diesen Planeten ändern wird. Ich musste die Verantwortung für dieses Wissen übernehmen.19 (Jim Humble)

Humble behauptet außerdem, dass er in mehreren Himmeln war, aber jetzt ein anderes Spiel spielt. Er und die auserwählten Spieler sollen die einzigen sein, die den Frieden in der Galaxie wiederherstellen können; und einige „praktische Jungs“ seien bereits so erleuchtet, dass sie mit dem Plan angefangen haben.20

NOTIZ: Spieler und Spiel – siehe Kap. 3.2.

Die Götter der Andromeda-Galaxie sind dabei nicht mit Spielern zu verwechseln, die Humble (in Bezug auf Universum) ebenfalls Götter nennt. Um Humbles begriffliches Chaos zu umgehen, werden die letzteren hier „Mensch-Götter“ und die Wesen der Andromeda-Galaxie „Götter“ genannt. Beide Gruppen bleiben dabei in Bezug auf die Erde Aliens, weil sie Humble zufolge aus anderen Galaxien auf die Erde kamen. Nun, worin genau besteht das sogenannte gute Spiel bzw. der Rettungsplan von Humble?

NOTIZ: Zu Geschichte der Erde – siehe Kap. 4.1: Tarnung der Weltanschauung.

3.2 Praktische Erleuchtung

3.2.1 Selbsterlösungsmodell

Seine Weltanschauung beschreibt Humble im Buch Secrets of Enlightenment (Geheimnisse der Erleuchtung).1 In der Rezension zur deutschen Ausgabe (Erleuchtung. Die Wahrheit über Liebe, Religion und Erleuchtung) schreibt Leo Koehof, Inhaber des Jim Humble Verlags, dass Humble dieses Werk bereits einige Jahre vor seiner MMS-Entdeckung geschrieben hat.2 Humble sagt seinerseits, dass dieses Werk viele Geheimnisse beinhaltet, und wenn es nicht stimmen soll, verspricht er das Geld zurückzuerstatten,3 was überlegenswert ist, weil selbst die englische E-Book-Ausgabe etwa 19 Dollar kostet.

In diesem Buch beschreibt Humble sein okkultes Selbsterlösungsmodell: Die praktische Erleuchtung bzw. rationale Spiritualität.4 Humble kritisiert andere spirituelle und religiöse Menschen, weil sie angeblich aus Angst vor logischer Widerlegung ihrer Glaubensinhalte in der „Tötung der Logik“ verharren und deshalb die wahre logisch-spirituelle Erleuchtung nicht erreichen können.5 Im Gegensatz zu früheren Theorien – so wenigstens Humbles Anspruch – beinhaltet sein Modell eine logische Ebene des praktischen Gottes: „Meine abschließende Analyse gelangte zu dem Fazit, dass nur ein praktisches Verständnis von Gott die Menschheit zu retten vermag“6. Demnach ist die Wahrheit eine „praktische Wahrheit“7. Damit also etwas besser wird, muss der Mensch laut Humble vor allem aktiv werden und handeln.8 In seinem Modell geht er von zwei Grundannahmen und einigen Spielregeln aus.

Vorab ist zu sagen, dass im Allgemeinen auch Humbles Selbsterlösungsmodell etwas vom literarischen Baron Münchhausen hat, der sich am eigenen Haarzopf aus dem Sumpf herausgezogen hat.

3.2.2 Erste Annahme: Mensch ist Gott

Die erste Annahme Humbles Erleuchtung lautet: Jeder Mensch ist Gott: „Mein Glaube ist, dass intelligentes Leben dieses Universum geschaffen hat, und das sind wir“9. Was bedeuten diese Grundannahmen genau?

Am Anfang des Universums steht für Humble ein unklares Nichts, das irgendwie viele Konzepte und anschließend alles andere erschuf. Mit der Erschaffung des Universums aus Konzepten wurde – so Humble – der Geist Gottes erschaffen.10 Gott soll aus einem winzigen Punkt entstanden sein; danach selbst weitere Punkte und Regeln für das Universum geschaffen haben und somit komplexer geworden sein.11 Dieser Gott kann nicht wie eine Person getötet werden oder sich schlecht fühlen.12 Dieser Gott ist gemäß Humble weder gut noch böse, sondern folgt zwölf (von ihm festgelegten) primären Gesetzen des Universums, wie etwa der Schwerkraft, und 180 weiteren Regeln.13

NOTIZ: Humbles Annahme eines Punktes, aus dem alles entstand, erinnert an die Urknall-Theorie.

Das Ergebnis bzw. der Sinn des Universums sei dabei das Spiel Gottes: „Da Gott das einzige Wesen ist, das jemals existiert hat oder jemals existieren wird, ist der einzige Grund für dieses Universum ein ‚Disneyland‘ zu haben, in dem er spielen kann“14. Das Universum als ‚Disneyland‘ vergleicht Humble auch mit Ideen aus dem Film The Matrix: „In Wirklichkeit ist dieses Universum wahrscheinlich ein virtuelles Universum im Geist Gottes“, ähnlich wie die virtuellen Welten eines Computerspiels.15 Humble vergleicht dieses ‚Disneyland-Universum‘ auch mit einem Traum: „Es ist ein kombinierter Traum von uns allen. Wir träumen gemeinsam nach den Regeln des Spiels“16. Entscheidend ist hier, dass der unpersönliche Gott und alle Menschen bzw. Spieler zusammenfallen: Gott besteht aus verschiedenen Aussichtspunkten der Menschen. Umgekehrt formuliert: Jeder Aussichtspunkt bzw. Spieler ist Gott. Humble sagt: „Du bist Gott. Nicht ein Teil von Gott, sondern der ganze Gott. […]. Gott spielt das Spiel dieses Universums durch Millionen von Aussichtspunkten, aber er ist jedes dieser Aussichtspunkte.“17 Kurzum: „Jeder Mensch ist Gott“18. Das Universum wäre somit „das Ergebnis der Regeln im Geist Gottes, der auch unser Geist“ sei, also „nichts anderes als Konzepte in unserem Geist“19.

Als souveräner Gott hat sich der Mensch – so Humble – nach seinem freien Willen selbst erschaffen; er ist deshalb nicht von einer höheren Macht bzw. Gott abhängig.20 Humble schreibt:

ZITAT: Die kleine Gruppe, zu der ich persönlich gehöre, glaubt dagegen, dass jede einzelne Person Gott ist. Jede Person ist der eine und einzige Gott, und daher haben wir uns selbst erschaffen. […]. Sie selbst sind Gott. Sie haben sich selbst erschaffen, und das ist der einzige Grund, aus dem sie einen freien Willen haben. Es gibt nur einen Gott, und das ist der, der durch ihre Augen hindurch in das Universum blickt. Sie sind es selbst. Welche Einstellung sollten wir also gegenüber dem Spiel des Lebens mitbringen? Denken sie immer daran, dass sie selbst Gott sind.21 (Jim Humble)

Die Annahme, dass alles Existierende eine Ursache hat, ist gemäß Humble eine Lüge.22 Seiner Meinung nach hat der Mensch sich selbst erschaffen; deshalb können die Menschen zwar an Götter glauben, aber sie sollen die Mensch-Götter als die Größten anerkennen, sprich sich von keinem abhängig fühlen.23 Während Humble zugibt, dass seine Idee der Selbsterschaffung esoterisch anmutet, versucht er die praktische Seite dieser Theorie zu beschreiben.24 Diesbezüglich sagt er, dass der Mensch die einzige Ursache für seine negativen und positiven Emotionen ist. Als Beispiel nennt er hier die okkulten Feuerläufer, die deshalb ihre Füße nicht verbrennen, weil sie beschlossen haben, dass die Hitze keine Verbrennungen verursacht; das hat seine Frau mehrmals ausprobiert.25 Damit versucht Humble zu beweisen, dass der Mensch einen freien Willen hat, was für sein Selbsterlösungsmodell von grundlegender Bedeutung ist. Denn erst dann könnte der Mensch seine Erlösung und die Rettung der Welt auf eigene Schulter laden.

NOTIZ: „Da sprach die Schlange zu der Frau: […] Ihr werdet sein wie Gott.“ 1. Mose 3,4-5

3.2.3 Zweite Annahme: Leben ist Spiel

Das letzte Geheimnis der logischen Ebene der Erleuchtung ist nach Humble die zweite Annahme: Das Leben ist ein Spiel. „Spielen sie einfach ein gutes Spiel, das ist alles“26, schreibt er. Spielen bedeutet in diesem Zusammenhang handeln. Der Leitgedanke dieser Lehre ist auf der Rückseite der Originalausgabe der Erleuchtung zu lesen: „Life is a game. Play it to the hilt“ (Leben ist ein Spiel. Spiele es ganz). Humbles Meinung nach ist in diesem Universum alles ein Spiel, selbst die logische Erleuchtung:27

ZITAT: Die logische Ebene der Erleuchtung ist auch ein Spiel, aber es gibt echte und falsche Spiele. Echte Spiele folgen der Wahrheit und falsche Spiele haben eine Menge von falschen Voraussetzungen in sich. Ein wahres Spiel ist die logische Ebene der Erleuchtung.28 (Jim Humble)

Wenn er also auch alles als ein Spiel bezeichnet, so gibt es für ihn dennoch das Richtige und Falsche.

Im Einzelnen beinhaltet Humbles rationale bzw. praktische Erleuchtung zwei grundlegende Spielregeln. Die erste Grundregel lautet: Alle Glaubensinhalte sind nicht unbedingt die absolute Wahrheit.29 Denn schließlich – so Humble – werden auch falsche Dinge geglaubt. Als Beispiel führt er an: „Millionen Menschen werden wie Schweine immer fetter, allein wegen des Glaubens, dass eine fettarme Kost mit vielen Kohlenhydraten Herzkrankheiten und Korpulenz verhindern könnte“30. Alle Religionen und Philosophen haben laut Humble deshalb nichts verbessert, weil sie ihre Überzeugungen für wahr hielten.31 Das ganze Übel soll der scheinbar unlogischen Überlegung entspringen – das Geglaubte ist wahr; das sei „der Grund, aus dem sich die verschiedenen Religionen und Philosophien nicht verbessert haben“32. Diese „komplette Unflexibilität“ habe unzähligen Menschen ihr Leben gekostet.33 Insoweit sei die Gleichsetzung des Geglaubten mit der Wahrheit der größte Feind der Menschheit.34 Nicht weniger scharf kritisiert Humble den Glauben an eine wissenschaftliche Wahrheit.35

Weil Humble den Anspruch auf das Besitzen der absoluten Wahrheit für das Böse verantwortlich macht, kann er seine Theorien nicht unschuldig als eine absolute Wahrheit stehen lassen und muss von einem relativen Wahrheitsbegriff sprechen. Wenn er also schreibt: „Verständnis und Wahrheit liegen immer in ihnen selbst“, so muss er ergänzen: „Aber selbst dann wird ein vorsichtiger Spieler immer noch berücksichtigen, dass es weitere Wahrheiten geben könnte“36. Humble nimmt an, dass ein guter Spieler, der keine absolute Wahrheit zu haben glaubt, fortschrittlich suchen wird und Optionen für weitere Wahrheiten offen lässt.37 Insofern muss Humble gestehen: „Ich mache keinen Anspruch auf die absolute Wahrheit“38. Doch wenn er den Anspruch auf die absolute Wahrheit nicht macht, wie kann er dann das Besitzen der absoluten Wahrheit ganz ausschließen? Anders gesagt: Wenn alle irgendwo irren – wie Humble kritisiert – dann kann keiner behaupten, dass niemand ganz Recht hätte.

NOTIZ: Humble spricht von einem relativen Wahrheitsbegriff.

Bild: Schrift auf einer Tafel - Halbe Wahrheit plus halbe Wahrheit ist gleich eine ganze Lüge.

Wenn Humble auch keinen Anspruch auf die absolute Wahrheit zu machen scheint, so proklamiert er dennoch eine bzw. seine freimachende Wahrheit; allerdings eine praktische und keine religiöse. Die Menschheit soll durch eigene Anstrengung erlöst werden und nicht diesbezüglich auf eine höhere Macht hoffen.39 Die zweite Spielregel lautet also: Als Gott Verantwortung übernehmen. Es gebe jedoch zwei Störfaktoren: Die Liebe und ein Gottesbild, wie sie z. B. das Christentum lehrt. Humble klammert das christliche Gottesbild aus seiner Weltvorstellung mit folgender Begründung aus: „Verantwortlich zu sein bedeutet, eine Ursache zu sein. Sie können aber nicht die Ursache sein, wenn jemand anderes die Ursache und unendlich viel mächtiger ist als sie selbst“40.

NOTIZ: Selbsterlösung durch eigene Werke.

Humbles Vorstellung von Verantwortung beinhaltet die Selbsterlösung durch eigene Werke: „Die geheime Lebensbedingung in diesem Universum ist es, zu erschaffen. Wenn sie nichts erschaffen, dann existieren sie nicht, soweit es dieses Universum angeht“41. Denn das Universum und alle Dinge seien nicht mehr als Konzepte bzw. Ideen unseres Verstandes, die durch den Beobachter verändert werden: „All diese Bilder haben schon immer existiert, können jedoch von den Spielern des Spiels geändert werden“42. Humble erläutert:

ZITAT: Die einzige Person, beziehungsweise der einzige Aspekt, der ihr Universum hervorgebracht haben kann, sind sie selbst. Unabhängig davon, was sie in der Bibel gelesen oder in der Kirche gelernt haben oder was ihre Mutter ihnen beigebracht hat: Es gibt niemanden außer ihnen selbst, der das von ihnen wahrgenommene Universum erschaffen haben könnte, denn was sie sehen, gelangt zu ihnen in Form von Nervenimpulsen in ihrem Gehirn. […]. Ob sie es glauben wollen oder nicht: Sie sind selbst derjenige, der ihr Universum erschafft.43 (Jim Humble)

NOTIZ: Humbles Religionskritik trägt einen prinzipiellen Charakter.

Bei dieser Vorstellung muss der Mensch für alles Verantwortung übernehmen, was Humbles Mensch-Gott-Modell vollkommen entspricht. Humbles Religionskritik trägt also einen prinzipiellen Charakter. „Solange die Menschen glauben, dass Gott sie erschaffen hat und einen Plan für sie bereithält – wie können sie sich da verantwortlich fühlen?“44, kritisiert er. Um sich durch eigene Werke zu erlösen, müsse der Mensch Verantwortung übernehmen:

ZITAT: Es gibt weder einen Gott, der uns retten wird, noch gibt es einen Gott, der einen großen Plan für uns bereithält […]. Es gibt nur uns, und wenn wir diesem Chaos auf der Erde je entkommen wollen, werden wir es aus eigener Kraft tun müssen.45 (Jim Humble)

Darum ist für Humble der Glaube an die Wiederkunft Jesu nicht akzeptabel.46 Denn solange der Mensch an Gott und seinen Plan glaube, würde er keine Verantwortung übernehmen und keinen Frieden schaffen.47 Da der Mensch laut Humble ein Gott ist, muss er Verantwortung übernehmen, um das Böse zu überwinden.48 Deshalb wird jeder Kirchenbesuch von ihm als eine weitere Dosis Unverantwortlichkeit gebrandmarkt.49

3.2.4 Böse Spiele: Religion und Liebe

Den Ursprung des Bösen sieht Humble nicht im Teufel, weil böse Geister von Menschen erdacht seien, um eigene Verbrechen zu rechtfertigen.50 Er schreibt: „Irgendwie im Prozess der Evolution vor vielen Äonen hat ein Mann […] einen Fehler gemacht und seinen Mitmenschen verletzt“; danach machte dieser Mann viele weitere Fehler, bis er seine Schuld fühlte, wofür er jedoch immer Rechtfertigungen fand; und so steigerte sich alles weiter, bis angefangen wurde, auch sehr große Fehler bzw. negative Emotionen zu rechtfertigen.51 Dennoch behauptet Humble, dass der Ursprung des Bösen „irgendeine Art von einer bösen Macht“52 sei. Das schwammige Adverb „irgendeine“ führt allerdings zum Ergebnis: Es soll zwar kein Teufel gewesen sein, aber einer, der so genannt wird, bzw. irgendeine böse Macht.

Jedenfalls spricht Humble von bösen Menschen. Grundsätzlich gliedert er die Menschen in hierarchisch geordnete Klassen. Oben stehen etwa eine Million Götter, gefolgt von etwa 100.000 Mensch-Göttern bzw. guten Spielern; auf der nächstunteren Stufe befinden sich böse Pieces (Stücke) und noch bösere Broken Pieces (Kaputte Stücke).53 Diese Pieces werden laut Humble absichtlich und versehentlich über Millionen von Jahren von Spielern geschaffen, besitzen aber vergleichsweise weniger Kontrolle über den Geist und werden somit von ihren Emotionen zum Bösen verleitet.54 Dies erklärt Humble in Erleuchtung nicht genau und verweist auf die Möglichkeit bei ihm hierzu die Schrift Creating Pieces (Erschaffung von Stücken) anzufordern; schließlich sei die Entstehung von Pieces unter Verwendung vom Wahrheit-Detektor bewiesen worden. Auf jeden Fall sollen alle Kriege von Broken Pieces wie Hitler und Stalin inszeniert worden sein.55 Als Musterbeispiel nennt Humble den Kosovokrieg, in dem die von Russen unterstützten Serben ganze Dörfer niedergebrannt und Familien erschossen haben sollen.

NOTIZ: Mit Detektor meint Humble wahrscheinlich das E-Meter von Scientology.

Wer ist also böse in Humbles Vorstellung? Seine Theorie zum Bösen ist mit seiner Religionskritik verbunden. Wiederholt kritisiert er die Religion als einen Feind der praktischen Erleuchtung. Aufgrund seiner religionsfeindlichen Äußerungen verbietet er Passagen aus dem 14. Kapitel der Erleuchtung zu zitieren, außer nur im gesetzlich erlaubten Rahmen.56 In diesem Kapitel wird Humble sehr blasphemisch, wenn er beispielsweise behauptet, dass Jesus Kreuzestod kein besonderes Opfer war, sondern eine leichte Last, vergleichbar mit einem kurzen Niesanfall. Dabei gebe es mehr Beweise für die Auferstehung von Elvis Presley als von Jesus. Und die Bibel – schreibt er an einer anderen Stelle – sei wie kein anderes Buch für das weltweite Blutvergießen verantwortlich; die Bibel sei schon immer von Kriminellen als Rechtfertigung genutzt worden und propagiere Intoleranz.57 „Christen töten gerade jetzt, und haben nie aufgehört“, schreibt Humble.58 Auch wenn Humble hauptsächlich das Christentum kritisiert, zielt er auf alle Religionen ab.59

Außerdem sollen die Religionen die Menschen daran hindern, Verantwortung zu übernehmen. Alle Religionen seien ein Mechanismus, um die Menschen im Schlamm zu halten und von ihrer Göttlichkeit wegzubringen.60 Der „grundlegende Zweck aller Religionen [sei] es immer gewesen, die Menschen daran zu hindern zu erkennen, dass sie selbst verantwortlich sind“61. Die Religionen mit ihren verschiedenen Botschaften haben anscheinend noch keinem geholfen.62 Darum ist Humbles Ansatz nicht Jesus, Buddha oder Mohammed,63 sondern ein praxisorientierter Mensch-Gott.

Das Christentum wird von Humble auch deshalb abgelehnt, weil er nicht an die rettende Kraft der Liebe glaubt.64 Die Liebe daure zu kurz, um Menschen glückliches Leben zu ermöglichen.65 Sie soll die „Menschen davon abhalten, selber Verantwortung zu übernehmen“66 und hätte keine Antwort auf Probleme der Menschheit.67 Auch christliche Liebe habe nie zum Frieden geführt, sondern verursache bis heute Kreuzzüge und Kriege: „All diejenigen, die in Afrika einander töten, sind entweder Christen oder Moslems, und beide Religionen lehren Liebe“68, kritisiert Humble. In einem Interview sagt er:

ZITAT: Seit hunderttausenden von Jahren hat sich an der Gewalttätigkeit des Menschen nichts geändert. Jesus, Mohammed und all die vielen hundert anderen großartigen Menschen – sie alle haben Liebe und andere positive Dinge gepredigt, ohne dass sich an der Gewalttätigkeit des Menschen etwas geändert hätte.69 (Jim Humble)

Jesus – hier nur als ein Mensch und in einer Reihe mit Mohammed – habe mit seiner Liebe also angeblich die Menschen nicht zum Guten verändert.70

Abgesehen davon, dass Humble in der Liebe ein Mechanismus der Natur sieht, der das Überleben der Rasse bzw. Spezies ermöglicht,71 lässt er die Liebe als ein schönes Gefühl gelten: „Die Liebe ist nicht weniger nützlich als eine andere [positive] Emotion. Allerdings darf man nicht zulassen, von eigenen Gefühlen beherrscht zu werden. Man muss immer genau schauen, was richtig und falsch ist“72. Sein Liebesbegriff ist dementsprechend keineswegs christlich, sondern pragmatisch. Laut Humble ist es nicht notwendig Feinde zu lieben: „Sie müssen sich nicht schlecht fühlen, weil sie die bösen Jungs nicht lieben. Es ist nicht notwendig, um das Richtige zu tun“73; oder auch: Der Mensch „sollte gute Taten nicht von der Liebe abhängig machen, sondern sollte Gutes um seiner eigenen Integrität, seiner eigenen inneren Stärke willen tun74. Das heißt man soll dem Nächsten helfen, um selber eine höhere Ebene zu erreichen. Humble schreibt:

ZITAT: Die Menschen müssen einander mit Güte behandeln, nicht weil sie sich gegenseitig lieben, sondern weil sie wissen, dass es richtig ist. Liebe ist nicht notwendig, um uns zu lehren was recht ist. Wir sind Gott und wir wissen in uns was richtig und falsch ist.75 (Jim Humble)

Wenn also Humble immer wieder seine Newsletters mit der netten Formulierung „wie immer in Liebe verbunden“ unterschreibt, sind diese Worte im Kontext seiner okkulten Weltanschauung zu verstehen und keineswegs im christlichen Sinne.

3.2.5 Spielende: Integrität, Reinkarnation, Karma

Der Weg zum Gewinnen des Spiels bzw. zum guten Karma ist laut Humble die steigende Integrität.76 Eine gute Integrität sei ein ehrliches, faires Handeln und guter Wille auf allen Lebensebenen.77 Humble schreibt:

ZITAT: Das Geheimnis lautet, dass sie ihre Integrität aufwerten müssen. Was bedeutet das? Integrität zielt auf die Vollständigkeit von allem. Integrität ist die Gesamtheit des jeweiligen Sachverhalts oder Gegenstands. Daher muss ein Mensch alle Bereiche seines Lebens prüfen und entscheiden, wie er sie verbessern kann.78 (Jim Humble)

Dies sei die einzige Möglichkeit aus diesem Universum herauszukommen; wobei die Integrität aus einem selbst komme und nicht von Gott oder Teufel.79 Steigerung der eigenen Integrität bedeutet eine Zunahme an positiven Eigenschaften und damit verbundenes Einswerden mit Gott, denn Gott sei die totale Integrität.80

NOTIZ: Integrität – lateinisch: vollständig, unversehrt, intakt.

Die Lebensdauer und Lebensqualität hängen nach Humble vom Maß an Integrität im jetzigen Leben ab.81 Die schlechte Integrität verursache schlechtes Karma und würde in der nächsten Reinkarnation bestraft werden. Laut Humble haben wir „in den nächsten Jahrmillionen noch viele Lebenszeiten vor uns, und ob sie diese genießen oder als sehr schmerzhaft empfinden werden, hängt von ihrer persönlichen Integrität ab“82.

NOTIZ: Reinkarnation – lateinisch: Wiederverkörperung.

Wer sogenannte böse Spiele spielt, beispielsweise die Poliomyelitis-Impfung befürwortet, bekommt gemäß Humble ein schlechtes Karma.83 Allerdings können sogar die bösen Pieces ihre Integrität erhöhen und Gott werden.84 Die weniger starken sollen dagegen zum Nichts werden.85 Jeder würde nach seinem Spiel belohnt oder bestraft: Diejenigen, die ihrer Religion nach eine Hölle schufen, würden in diese kommen; das gleiche gilt für den Himmel.86 Doch der Himmel mache keinen glücklich, sondern verrückt, weil er langweilig sei, weshalb angeblich die Menschen freiwillig auf die Erde zurückgehen, um ein neues Spiel zu spielen; denn die Langeweile sei das schmerzhafteste aller Gefühle und die schlimmste Emotion.87 Dieses freiwillige Reinkarnieren aus Langeweile widerspricht allerdings bereits beschriebenen Behauptungen von Humble über Implantate der Bösen, welche im Himmel eingesetzt werden, um die Gefangenen zurück auf die Erde zu schicken. Die Reinkarnation als das Beenden der Langeweile wird von Humble positiv bewertet, weil die Freude am Spiel für ihn die höchste Ebene innerhalb dieses Universums ist.88

NOTIZ: Karma – bedeutet, dass jede Handlung Folgen für die nächste Reinkarnation hat.

Diese Freude entstehe wiederum durch Drama, welches das Ziel sei.89 Drama sei ein geheimer Name des Universums: „Vor allem sucht der Spieler Freude. Die Freude in die Spiele dieses Universums zu spielen. Die Spieler versuchen, Drama im Spiel zu erstellen. Dieses Drama bringt Freude“90. Die Belohnung sei außerdem in diesem Fall eine friedliche Welt, zu der der Spieler beigetragen hat.91 Wenn dagegen – so Humble – ein Spieler das Spiel des Universums verlassen will und die „erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind, kehrt er zurück in die Ewigkeit“, wo es weder Belohnung noch Strafe gibt.92

Bild: Straßenfest mit leuchtenden Attraktionen und einem leuchtenden Teufelsrad.

Der geheime Grund für die Existenz in diesem Universum sei das Spiel, um positive Emotionen zu schaffen.93 Humble geht es also um Freude und Spaß, denn die Freude sei besser als die Liebe, da sie keine Katastrophen hervorrufe.94 Humble appelliert:

ZITAT: Gehen sie also hinaus in die Welt, stürzen sie sich mit Feuereifer ins Spiel und genießen sie ihr Leben in vollen Zügen. Sie wissen, wer sie sind und worum es in diesem Universum geht. Es geht im Allgemeinen um Spaß und Freude. Haben sie also Spaß. Spielen sie das Spiel, aber nehmen sie es nicht zu ernst.95 (Jim Humble)

So weit Humbles praktische Schlüsse aus seinen Überlegungen.

3.3 Heilkunde als Erlösung

3.3.1 Paradigmenwechsel im Jahr 2017

Humbles Meinung nach sollen alle Menschen die Heilung ihres kranken Körpers anstreben – natürlich mithilfe von alternativen Heilmethoden, weil hinter konventionellen Methoden das Böse stehe. Die Heilkunde hat in Humbles Weltanschauung eine Schlüsselrolle, weil sie zum Paradigmenwechsel führen soll, nämlich zur Expansion der Heilkunde auf Kosten der Schulmedizin, was die Gewalttätigkeit der Menschen beenden soll:1

ZITAT: Dieser Paradigmenwechsel wird die Gewalttätigkeit zwischen den Menschen beenden. Ich weiß nicht, wie viel Zeit dieser Wandel in Anspruch nehmen wird – vielleicht 50, vielleicht auch mehrere 100 Jahre. Aber es wird einen Wandel geben, so wie nie zuvor.
[…] Ich denke, dass die Gesundheitsindustrie am Rande eines Paradigmenwechsels steht. Und ich glaube, dass dieser Wechsel schon in den nächsten Jahren ansteht.2 (Jim Humble)

Humble sieht den Untergang der Pharmaindustrie aufgrund eines Aufschwungs der Heilkunde. Denn er glaubt: „Das Wissen über Heilverfahren für die meisten Krankheiten ist seit Jahrhunderten bekannt, aber die Menschen werden aus Gründen der Profitsucht absichtlich krank gehalten“3. Die Heilkunde bzw. Alternativmedizin würde aber dennoch überhand nehmen.

Der eigentliche Beginn des Paradigmenwechsels solle im Jahr 2017 stattfinden.4 „Der wahre Startdatum ist 2017“, schreibt Humble.5 Bereits 2011 hat er angekündigt: „Der eigentliche Beginn des dritten Jahrtausends ist noch einige Jahre entfernt. […]. In wenigen Jahren werden Tausende mehr von uns beginnen zu helfen. Wir waren zusammen vor Millionen von Jahren, und wir kommen jetzt zusammen“6. Humble nimmt also Bezug auf das nächste weitverbreitete Datum des Weltuntergangs im Jahr 2017, auch wenn er dabei keinen buchstäblichen Kollaps der Welt meint, sondern ihre Erneuerung.

Auch die Weltende-Welle von 2012 hat ihn beeinflusst. 2011 bezog er sich auf den vielfach diskutierten Maya-Kalender, obzwar er sich von den Apokalypse-Szenarien distanzierte. Er ging zwar von keinem wirklichen Weltende im Jahr 2012 aus, behauptete aber, dass dieses Datum mit der Entdeckung der Wahrheit durch seine Genesis II Sekte zusammenfallen wird: „Wer weiß, vielleicht wussten die Mayas, dass wir diese Wahrheit zu dieser Zeit entdecken würden“7. Er ließ die Daten zusammenfallen und veröffentlichte am 28. Oktober 2011 eine Video-Botschaft, die auf seinem YouTube-Kanal JimHumbleLive zu finden ist. Als eine weitere Möglichkeit bot er ein Seminar über die Wahrheit vom 25. September bis 5. Oktober 2011 an, damit jeder „die Informationen ein paar Wochen vor dem ,Ende der Welt‘ haben“ könnte.8

Dabei betont Humble, dass das dritte Millennium als ein „nicht-religiöses Geschehen“ zu verstehen ist, weil die größten Religionen der Welt den Beginn des dritten Millenniums nicht als ein wichtiges Datum betrachtet haben.9 Laut Humble wird das dritte Millennium ohne Trompeten im Himmel anfangen und es wird keiner vom Himmel kommen, um die Menschen zu retten, sondern sie werden von sich aus auf ein höheres Niveau kommen:10

ZITAT: Die Mayas wussten, dass etwas am Ende ihres Kalenders passiert, das zu Beginn des dritten Jahrtausends endet. Sie wussten wirklich nicht, was es sein wird. Ihre Zivilisation war nicht reif, um diese neue Art von Entwicklung verstehen zu können, die die Menschheit auf ein höheres Niveau bringt.11 (Jim Humble)

Die Vorstellung vom dritten Millennium und der spirituellen Selbsterlösung bilden also bei Humble eine Einheit.12 Diese Zusammenhänge ermöglichen eine bessere Zuordnung seines Appells: Die Gesundheit in eigene Hände zu nehmen.

In nächsten 100 bis 300 Jahren sollen die Mensch-Götter den Paradigmenwechsel vollziehen.13 Humble appelliert besonders an sie, weil es nie funktioniert habe, die Massen zu erziehen, und deshalb der Paradigmenwechsel nur von einigen Individuen ermöglicht werden könne.14 Humble sagt: „Ich glaube, dass wir uns retten werden, und dass unsere Genesis II Kirche ein Teil des Ganzen wird“15. Oder an einer anderen Stelle: „Viele haben darüber geschrieben und Millionen haben gewartet, und die Tatsache ist, dass die Zeit dieses Ereignisses immer am Anfang des dritten Millenniums auf der Erde hingewiesen hat. Nun, wir sind jetzt da“16. Wer unter „wir“ genau gemeint ist, soll im zweiten Teil dieser Arbeit analysiert werden. Zunächst noch zwei Beispiele für Humbles praktische Umsetzung seiner Weltanschauung.

3.3.2 Beispiele: Touch Healing und Meditation

Humble vertritt viele okkulte Heilpraktiken. Unter anderem behauptet er die sogenannte Touch-Healing-Methode entwickelt zu haben, bei der mittels Berührung zu heilen versucht wird. In einem Video auf YouTube demonstriert Humble an einem Kind seine Methode, die im Allgemeinen den bereits existierenden okkulten Praktiken ähnelt.17 Er versteht seine Methode als etwas Neues, weil hier die Heilkraft vom Kranken und nicht vom Heiler ausgeht, der anhand Berührungen die „komplette Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem betroffenen Bereich“ zu ermöglichen hilft.18 Humble beschreibt diese Methode im 17. Kapitel der Erleuchtung. Um die Kommunikation zwischen Geist und Körper zu ermöglichen, soll der Heiler mehrmals mit vier Fingern den ganzen Körper abtasten und auffordern: „Blicke mit deinem Geist unter meinen Finger“; worauf der Betroffene mit Ja antworten oder mit dem Kopf nicken soll, wenn es der Fall ist. Falls keine Besserung eintritt, soll diese Prozedur mehrmals mit der zusätzlichen Aufforderung wiederholt werden: „Schaue auf den Schmerz“. Gemäß Humble müssen seine Anweisungen genau befolgt werden: „Wenn sie es richtig tun, wird es Wunder wirken“ und „fast jede Art von Krankheit“ heilen.19

Ein weiteres Beispiel für Humbles Glauben an die befreiende Wirkung der okkulten Heilkunde ist die Meditation. In der Darstellung seiner Weltanschauung in Erleuchtung beschreibt er im 17. Kapitel seine sogenannte praktische Meditation, die darin besteht, dem Stress bzw. den negativen Emotionen nicht zu widerstehen, sondern sie zu akzeptieren. Dies soll die Gesundheit positiv beeinflussen, z. B. von Schmerzen befreien und Heilungsprozesse beschleunigen. Die Rituale seien bei dieser Meditation von großer Bedeutung. Der Raum muss aufgeräumt sein, man soll davor duschen, Bademantel und Pantoffeln anziehen (möglichst keine Unterwäsche) und sich hinsetzen. Man soll fünf oder mehr Kerzen anzünden – eine vor sich und zwei seitlich. Während man sie anzündet, soll man etwa folgendes rezitieren: Ich weiß, dass es Ideen gibt, denen ich widerstehe und deshalb negative Gefühle habe; deshalb will ich den Ritualen und Meditationen folgen, welche die negativen Bilder überwinden und ein friedliches Leben ermöglichen. Der Ablauf der Meditation gliedert Humble in zehn Schritte. Zuerst sollen einige Dinge im Raum akzeptiert werden, danach mentale Bilder und Ideen, alsdann gute und schlechte Situationen, anschließend Zukunftsbilder, beispielsweise der eigene Sarg. Im zehnten Schritt sollen ganz schlechte Bilder imaginiert und akzeptiert werden, beispielsweise wie jemand vom Gebäude herunterspringt oder wie eine Atombombe explodiert. Wobei z. B. nicht der Mörder akzeptiert werden soll, sondern der Mord als etwas Geschehenes. Zusätzlich soll man zweimal pro Woche zwanzig Minuten zu Fuß spazieren gehen und das unterwegs Gesehene akzeptieren. Am Ende soll die Spannung auf die Kerze ,übertragenʻ werden – mit der Idee, die Spannung würde mit der Kerze wegschmelzen. Danach die rechte Faust ganz fest ballen und die Prozedur mit der Kerze wiederholen. Schließlich die Kopfschmerzen (die dabei entstanden sein dürfen) akzeptieren und sich vorstellen, wie die Spannung den Kopf verlässt. Die Meditation soll laut Humble dreimal pro Woche oder öfters für zwanzig Minuten praktiziert werden.

Bild zum Thema Imagination: Explosion und sterbende Menschen. Laut Humble sollen beim Meditieren negative Bilder imaginiert und akzeptiert werden.

NOTIZ: Laut Humble sollen beim Meditieren negative Bilder imaginiert und akzeptiert werden.

An diesen zwei Beispielen – Touch-Healing und Meditation á la Humble – wird ein Aspekt besonders deutlich: Humbles Heilpraktiken hängen mit seiner okkulten Weltanschauung untrennbar zusammen, so dass es primär nicht um die Heilung körperlicher oder psychischer Krankheiten geht, sondern um seine okkulte Idee vom Mensch-Gott, der sich angeblich durch eigene Werke vom Leid und Bösen erlösen kann.

4. Kritische Betrachtung des Weltbildes

4.1 Maskierung: Pseudo-Bruder Jim

Betrachtet man Humbles Weltbild genauer, so fallen viele negative Aspekte und Unstimmigkeiten auf. Im Weiteren werden nur einige davon exemplarisch skizziert.

Besonders auffallend ist, dass Humble einerseits sein okkultes Weltbild preisgibt, andererseits aber dieses in der Regel maskiert. Um nur ein Beispiel zu nennen. In seinem Buch MMS: Der Durchbruch (eng. Breakthrough. The Miracle Mineral Supplement of the 21t Century), das von seinen Anhängern als Bestseller gefeiert wird, zitiert Humble einige Briefe christlicher Missionare in Afrika, die ihm beim Ausprobieren von MMS geholfen haben. Im Buch werden einige Briefe wiedergegeben. In einem dieser Briefe wird Humble sogar Bruder genannt.1 Doch auch zu dieser Zeit war Humble ein praktizierender Okkultist. So erzählt er in einem Interview mit Nexus-Magazin, wie er in Afrika schließlich von Missionaren abgelehnt wurde, weil er durch Berührungen mit Händen (vermutlich seine Touch-Healing-Methode) zu heilen versuchte.2 Dieses Vorgehen war im wahrsten Sinne des Wortes okkult, also geheim und verborgen. Dass er sich für einen der Götter der Andromeda-Galaxie hält, hat er den Missionaren offenbar verschwiegen. Wenn Humble also den Christen Unehrlichkeit vorwirft,3 so spielt er selber ein Doppelspiel.

Die gleiche Vorgehensweise gilt auch für Humbles Genesis II Sekte, die nach außen als eine gemeinnützige Organisation auftritt. Ihr okkulter Hintergrund wird meistens mit keinem Wort erwähnt, als würde es nur um Gesundheit und heilende Produkte gehen. Besonders auffällig ist dieses Phänomen im deutschsprachigen Raum. So wird auf den Covers der deutschsprachigen Bücher von Humble oft auf okkulte Symbole verzichtet, etwa den für Humble charakteristischen Hut mit dem blauen Stein Larimar, welcher als der heilige Stein der Genesis II Sekte gilt.4

Bild: Eine Maske mit drei Fragen daneben. Fiktion? Realität? Betrug?

Auch Humbles Versuch sein Weltbild für eine reine Fiktion auszugeben, die lediglich in seinem Kopf ist, bleibt eine strategische Tarnung. Humbles Geschichte der Erde, ist auf seinen Webseiten nicht zu finden. Sein gleichnamiges Video entfernte er von YouTube, damit es – wie er schreibt – nicht gegen ihn verwendet wird.5 Wahrscheinlich sind die Inhalte dieses Videos mit seiner Erleuchtung deckungsgleich. Das bestätigt ein ganz kurzer Ausschnitt aus diesem Video, das der Fernsehsender ABC zu haben scheint.6 Hier behauptet Humble von einer anderen Galaxie auf die Erde bzw. in die Milchstraße-Galaxie gekommen zu sein. Humble versucht also immer wieder seine Weltanschauung zu vertuschen. Wenn sie dennoch an die Öffentlichkeit kommt und seine Sekte deswegen kritisiert wird, so versucht er dieses Weltbild zu relativieren, indem er beispielsweise in der Geschichte der Erde behauptet: „Es kann alles Fiktion sein“, die sich in seinem Kopf abspielt.7 Auch auf der Buchrückseite der englischsprachigen Erleuchtung schreibt er, dass dieses Buch nichts mit Genesis II Sekte zu tun hat, sondern seine persönliche Meinung ist.8 Doch gleichzeitig schreibt er, dass fast alle MMS-Kurs-Teilnehmer sich an das „Versprechen vor Millionen von Jahren, jetzt hier zu sein“ erinnert haben.9 Er behauptet sogar in einem Newsletter: „Wenn sie diesen Newsletter lesen, stehen die Chancen zu 99,8 %, dass sie einer von uns sind, und es ist Zeit, um zu kommen und MMS-Protokolle zu lernen“10. (Es bleibt unklar, warum eine fast hundertprozentige Wahrscheinlichkeit angegeben wird, obwohl es nur eine Million Götter geben soll.) Damit widerspricht Humble seiner strategischen Darstellung der eigenen Weltanschauung als eine Fiktion, die eventuell nur in seinem Kopf ist. Humbles Weltbild ist ein fester Bestandteil seiner Sekte. Deshalb ist bei seinem okkulten Selbsterlösungsmodell der Aspekt der außerirdischen Götter immer zu bedenken.

NOTIZ: Genesis II führt MMS-Seminare durch, in welchen MMS-Protokolle bzw. sog. Sakramente der Sekte gelehrt werden.

Beim genaueren Hinschauen enthüllt sich Humble als ein Pseudo-Bruder, der nicht nur kein Christ ist, sondern das Christentum aufs Schärfste kritisiert, sich Blasphemie erlaubt, die Lehre von okkulter Erleuchtung verbreitet und seine Weltanschauung teilweise als eine Fiktion zu tarnen versucht.

4.2 Okkulte Bezüge: Scientology, Aliens und Spiritisten

Humbles Informationsquellen sind fraglich, weil sie nicht überprüfbar und okkult sind. So haben z. B. seine Vorstellungen von Reinkarnation und Erinnerung an frühere Leben viele Gemeinsamkeiten mit Ideen von Scientology. Scientologen gehen davon aus, dass die Toten im Zwischenzustand ein sogenanntes Implantat des Vergessens bekommen.11 Auch laut Humble bekommen die Toten im Himmel ein Implantat, das sie zurück auf die Erde führt und alle Erinnerung auslöscht. Sowohl Humble als Scientologen halten es jedoch für möglich, sich an frühere Leben zu erinnern.

NOTIZ: Es gibt viele Parallelen zu Scientology: Der Mensch könne z. B. sich durch eigene Kraft heilen und (wieder) Gott werden.

Wenn Humble über die Götter der Andromeda-Galaxie erzählt, spricht er außerdem über Aliens. Er bezieht sich auf seinen längst verstorbenen Freund Ray Tibbets, der – so Humble – ein Gelehrter war und Artefakte besaß, die mehr als drei Millionen Jahre alt waren. Anhand seiner Befunde sollte dieser in einem Buch gezeigt haben, dass die alten Zivilisationen der Menschheit im dritten Millennium das Erreichen einer höheren Ebene vorhersagten. Humble behauptet dieses Buch gelesen zu haben, bevor der Freund starb und sein Buch verschwand.12 Als Humble mit ihm sprach, sah er angeblich im Geist Bilder, Erinnerungen wurden deutlicher.13 Irgendwann später sollte Humble bei Aliens gelandet sein, wo ihm in sein Herz und Hände etwas mit abgespeicherten Daten implantiert wurde. Erst zehn Jahre später konnte er sich daran erinnern. Wie Humble erzählt, konnte mit Hilfe von Scientologen ein großer Teil des Wissens rekonstruiert werden.14 Wahrscheinlich mein Humble eine sogenannte Auditing-Sitzung, die für alle Scientologen verpflichtend ist. In dieser Sitzung wird versucht negative Erlebnisse (Engrammen) mit Hilfe eines Elektrometers (vergleichbar mit einem Lügendetektor) zu verarbeiten, indem durch die Freischaltung der reaktiven Gedächtnisbank an frühere Leben erinnert werden soll.15 In Los Angeles, wo Humble lebte, gibt es viele Kurse von Scientology, die dort auch ihr internationales Hauptquartier haben.

Humble bezieht sich oft auf eigene okkulte Erinnerung: „Ich erinnere mich an die vorigen hunderttausende von Jahren ziemlich gut“16. Seiner Meinung nach gehört es jedoch zum Spiel, dass nur einige sich beispielsweise an die Erschaffung des Universums erinnern können.17 Was wiederum eine objektive Überprüfung dieser Informationen unmöglich macht. Obwohl es laut seinem Wahrheits-Paragraphen nur das wahr ist, was sich beweisen lässt.18 Humble versucht aber dieses Dilemma zu umgehen, indem er beispielsweise sagt: „Wir müssen über Wahrheit nicht bis zum Erbrechen diskutieren“19.

Es ist kein Zufall, dass Humble sein geheimes Wissen von Aliens bekommen haben soll und darüber im bereits zitierten Interview mit Bill Ryan gefragt wird. Denn Ryan hat die Website Serpo gestartet, die „über eine angebliche Enthüllung eines Austauschprogramms zwischen Aliens und den USA berichtet“20. Er ist einer der Gründer des Projektes Camelot und leitet seit 2010 das Projekt Avalon, das sich ebenfalls den Verschwörungstheorien widmet.21 Ryan erzählt außerdem, dass er 1990 ein Entführungserlebnis hatte, d. h. von Außerirdischen entführt wurde, und dass hinter den Kulissen unsere Erde von Aliens beherrscht wird. Er spricht auch über das unendliche Bewusstsein, Karma und Ähnliches.22 Nicht zufällig werden auf der Camelot-Webseite zwei Fotos von seinem Interview mit Humble gezeigt, die nicht weiter kommentiert werden, außer dass zwei weiße Kugeln vor dem Mund von Ryan und Humble schweben und die Kugel auf dem Gruppenfoto lebendig sei.

NOTIZ: „Und das ist nicht verwunderlich, denn der Satan selbst verkleidet sich als ein Engel des Lichts.“ 2. Kor. 11,14

Wenn Humble in seiner Erleuchtung über die Liebe als ein Mittel zum Zweck spricht, weil sie das Negative (in uns) überwinden helfe, bezieht er sich auf Spiritisten. So zitiert er aus einem Buch, das seiner Meinung nach das größte zeitgenössische Werk ist. Ohne den Autor und das Werk anzugeben, zitiert er aus Power vs. Force. The Hidden Determinants of Human Behavior (Die Ebenen des Bewusstseins) des Spiritisten David Ramon Hawkins. Dabei betont er erneut, dass seine Ideen nicht nur Theorie bleiben sollen, sondern dass der Mensch sich um die praktische Ebene kümmern soll, also die praktische Erleuchtung anstreben muss. Trotz Humbles Abgrenzung von Hawkins, haben beide diverse Gemeinsamkeiten: Sie schreiben über Integrität und vor allem über Erleuchtung, die sie auf einer Skala ganz oben platzieren.23

Humbles Informationsquellen sind also nicht überprüfbar und okkult: Es sind verstorbene Freunde mit ihren verschwundenen Büchern, Humbles Erinnerungen an frühere Leben, Spiritisten und Implantate von Aliens, die von Scientologen entziffert sein sollten.

4.3 Widersprüche: Chaotischer Kosmos

Humbles Weltbild ist schwer zu beschreiben, weil es viele Widersprüche beinhaltet. Allein in Erleuchtung gibt es viele widersprüchliche Behauptungen, die durch andere Schriften Humbles noch verwirrender werden. Abgesehen davon, dass die Erleuchtung schlecht strukturiert ist, wird das Verstehen dieser Schrift durch viele undefinierte und synonym gebrauchte Begriffe enorm erschwert, bis unmöglich gemacht. Oft schreibt Humble folgendermaßen: „Diese Identitäten, oder Gemüter, oder Seelen, oder Geister, oder wie auch immer sie diese nennen wollen, sie kommen in die ätherische Ebene oder kehren zurück, um einen Körper zu nehmen“24. In diesem Satz gebraucht Humble vier Begriffe, wobei allein das englische mind im Original mehrere Bedeutungen haben kann. Noch verwirrender wird es, wenn er gleichzeitig die menschliche Seele als nicht bewiesen ansieht.25 Das heißt wenn auch in vorhergehenden Kapiteln Humbles Weltbild wiedergegeben wurde, so bleibt dieses Unterfangen nur bedingt möglich, weil seine Begriffe und Aussagen oft vieldeutig sind. So gebraucht Humble beispielsweise den Begriff „Gott“ sowohl für Gott der Bibel als auch für den unpersönlichen Gott, der seiner Meinung nach einzelne Spieler beinhaltet, von denen er jeden einzelnen wiederum als Gott bezeichnet (vorausgesetzt sie spielen richtig und wollen wieder ein Gott werden)26, was zusätzlich dadurch verwirrender wird, dass er eine Million Götter aus der Andromeda-Galaxie ins Spiel bringt. Es wäre sicherlich nicht verkehrt, wenn er von einer Gottheit, den Göttern und Mensch-Göttern oder so ähnlich reden würde. An dieser Stelle hätte man noch zahlreiche andere unklare Begriffe nennen können.

Nicht zufällig taucht das Adverb „irgendwie“ im Humbles chaotischen Weltbild wiederholt auf. Wenn Humble beispielsweise zu erklären versucht, wie alles aus dem Nichts entstand, schreibt er: „Irgendwie wurde etwas geschaffen“27, und „irgendwie“ hat Gott angefangen „aus dem Nichts zu existieren“28. Schließlich: „Irgendwie war das Nichts in der Lage ein Konzept zu erstellen“29. Wobei er auch hier ungenau bleibt, wenn er sagt, dass wenn es „nicht Konzepte, dann Ideen oder so was ähnliches“ waren.30 Bei seinen Ausführungen beruft sich Humble immer wieder auf Logik, die jedoch sehr eigenartig ist. Beispielsweise schreibt er: „Gott kam erst zustande, als das erste Teilchen des Universums erstellt wurde“, und andererseits: „Nachdem Gott den ersten Punkt geschaffen hat, existierte er“31. Wie konnte aber dieser Gott etwas erschaffen, wenn er noch nicht existierte? Das Adverb „irgendwie“ wäre eine Antwort im Humbles Sinne. Man könnte es auch stehen lassen, wenn er sein Modell nicht als etwas völlig logisches behaupten würde.

Angefangen im chaotischen Nichts, in dem irgendwie alles möglich ist, versucht Humble auch das Spielende zu erklären. Auch in diesem Fall bleibt vieles unklar. Was ist der Sinn des Lebens: Spielen oder gewinnen? Einerseits sagt Humble, dass es nicht ums Gewinnen geht, sondern um das Spiel an sich:

ZITAT: Die erste Lüge dieses Universums ist, dass das Ziel der Lebensspiele im Gewinnen besteht. Das ist wirklich falsch. Der eigentliche Zweck der Spiele im Leben ist es, ein Drama zu schaffen, um sich daraus ergebenden Emotionen zu erleben. […].
Der eigentliche Zweck der Lebensspiele ist das Drama und die daraus resultierenden Emotionen. Es ist ein bisschen wie ins Disneyland gehen. Die Idee besteht darin, Spaß zu haben und sich selbst genießen.32 (Jim Humble)

Deswegen soll man laut Humble darauf bedacht sein, das Drama zu schaffen, und nicht gewinnen wollen: „Das Spiel ist einfach, das Spiel zu spielen. Das ist der Zweck dieses Universums“33. Doch andererseits spricht er vom Gewinnen: „Es wird einige Zeit dauern, aber wir können gewinnen“34. Das Gewinnen sei entscheidend für das Verlassen des Universums. „Wenn sie also vor dem Ende der Zeit [aus dem Universum] heraus wollen, müssen sie das Spiel gewinnen“35. Anders gesagt: „Wenn sie das Spiel nicht gewinnen, müssen sie hier bis zum Ende (der Zeit) bleiben, durchaus ein paar Milliarden Jahre“36, schreibt Humble. Sein Vergleich des Lebens mit Disneyland ist deshalb insofern widersprüchlich, als das Leben im Fall des Verlierers auch eine negative Seite bekommt, nämlich eine unglückliche Reinkarnation aufgrund eines schlechten Karmas.

Auch in Bezug auf Karma bzw. Schuldfrage bleibt Humble vieldeutig. Einerseits behauptet er, dass es keine Schuld gibt. Um kein schlechtes Karma zu bekommen, sollen die Menschen sich nicht schuldig fühlen, sondern an eigene Göttlichkeit denken. Wenn z. B. ein Kind mit AIDS geboren wird, so geschehe das „wegen seiner Entscheidungen“37. Warum entscheidet sich aber jemand für Leid? In seiner Antwort darauf spricht Humble wiederum von Schuld, wenn auch auf dem Umweg über die Strafe. Wenn ein Mensch mit niedriger Integrität reinkarniert – erklärt Humble – bekommt er als Strafe einen schlechten Körper.38 Jeder sei selbst verantwortlich, „weil man den Fehler selbst verursacht“39. Weiter schreibt er: „Alle Menschen haben schon einmal gelebt. Man wählt einen Körper, von dem man weiß, dass man es verdient hat“40. Man bleibt also schließlich an allem selbst schuld: „Der Gott, der sie belohnt oder straft, sind sie“41. Seiner Meinung nach ist ein Baby mit AIDS zwar unschuldig, aber es hat seine Krankheit verdient, sprich ist dennoch selber schuld. Das alles abgesehen davon, dass Humble im Widerspruch zum Karma-Konzept die bösen Implantate für alle Krankheiten verantwortlich macht.

Angesichts der angeführten Ungereimtheiten ist Humbles Weltbild unklar und widersprüchlich – seine Welt bleibt ein chaotischer Kosmos.

4.4 Falsche Prophezeiungen: Die Wende

Ebenfalls problematisch sind Humbles unerfüllte Prophezeiungen bzw. Prognosen. Etwa im Jahr 2007 prognostizierte er 500 Millionen Heilungen von Malaria in nächsten fünf Jahren.42 Er schrieb, dass alle diese Geheilten wieder arbeitsfähig werden, was die Welt drastisch verändern wird. Bis jetzt ist jedoch keine massenhafte Heilung der Malariakranken oder eine drastische positive Veränderung in Afrika, wo es die meisten Malariafälle gibt, eingetroffen.

Humble prophezeit außerdem einen weltweiten Frieden. In 100 bis 300 Jahren – so seine Prognose – sollen die Mensch-Götter mittels Heilkunde einen Paradigmenwechsel vollzogen haben.43 Er schreibt: „Das dritte Jahrtausend wird ein Zeitalter des Friedens sein“44. Allerdings befindet sich Humble mit der Ankündigung des weltweiten Friedens in einem Dilemma. Denn die Menschheit ist nicht auf einem höheren Niveau angekommen, sprich das Böse verschwand nicht. Humble kann aber das Erreichen der höheren Ebene nicht behaupten, solange das Böse in der Welt weiterhin besteht, denn die höhere Ebene beinhaltet bei ihm einen Frieden in der ganzen Galaxie. Inzwischen hat Humble den eigentlichen Beginn des dritten Millenniums auf das Jahr 2017 datiert. Es bleibt abzuwarten, welche Argumente 2017 kommen, wenn der Paradigmenwechsel ausbleibt. Vermutlich – wie so oft in solchen Fällen – wird das Zielerreichen behauptet und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass es noch ein größeres Endziel zu erreichen gilt. Seine Anhänger werden sich wahrscheinlich auf solche Aussagen berufen wie: „Es ist vielleicht nicht in diesem Jahr oder im nächsten Jahr oder sogar in diesem Jahrhundert, aber schließlich wird die Menschheit das Böse und die Brutalität überwinden“45. Diese Prophezeiungen bzw. Prognosen sind zum einen nicht zugetroffen, und zum anderen so ungenau, dass sie auch im Jahr 2017 kaum zu überprüfen sein werden.

Wer diese angeführten Ungereimtheiten von Humble als problematisch sieht, wird von ihm als ein Unverständiger gebrandmarkt. Anstatt eigene Position genauer zu erklären, geht Humble in Erleuchtung davon aus, dass 90 Prozent der Leser nicht erleuchtet genug sind, um seine Gedanken zu verstehen.46 Damit versucht er zwar sich gegen jegliche konstruktive Kritik abzuschirmen, bleibt aber den Lesern eine genaue Erklärung schuldig, und hält sie – vorsichtig formuliert – für nicht besonders intelligent. Und die Fragen bleiben offen: Wer ist Gott? Wie ist alles entstanden? Woher kommt das Böse? Und wozu lebt der Mensch? Bei allen schwammigen Irgendwie-Antworten von Humble auf diese Fragen wird eins dennoch klar: Humbles Weltbild ist hochgradig okkult.

5. Zusammenfassung

Betrachtet man die zahlreichen okkulten Theorien der Heilkunde, so lässt sich daraus eine Grundstruktur herauskristallisieren, auch wenn diese Theorien im Einzelnen variieren. Grundlegend werden die Pharmaindustrie und Schulmedizin für größte Feinde der Menschheit erklärt, weil sie angeblich aus Habsucht unsere Gesundheit nur zu vernichten suchen. Davon soll die Heilkunde retten. Doch sowohl bei Humble als bei anderen Okkultisten geht es primär nicht um eine Behandlung von Krankheiten, sondern um die Verbreitung von okkulten Ideen. Der Motor dieser Verbreitung sind Versprechen alle gesund und glücklich zu machen, sogar ein neues Zeitalter des Friedens aufzurichten, ein Paradies auf Erden. In diesem Kontext sind die angebotenen Heilmethoden das Resultat von dahinterstehenden Theorien, nicht umgekehrt. Auch Humble hat zuerst die Erleuchtung geschrieben und alsdann – nach vielen gescheiterten Versuchen – quasi ein Wunderheilmittel entdeckt. Dieses Mittel ist dabei keine Randerscheinung, sondern grundlegend für seine Theorie, weil es die Götter aus dem Schlaf erwecken soll. Daher gelten MMS und einige andere Produkte in Humbles Sekte als Sakramente. Alle Kritiker werden in diesem Denkmuster als verblendete Anhänger der Pharmaindustrie gebrandmarkt. Deshalb beendet Humble seine Rezension zur Erleuchtung mit den Worten: „Also, meiner Meinung nach, ist die wichtigste Frage von allen für dich: Bist du einer von uns?“1. Doch selbst wenn es seitens der Schulmediziner eine allumfassende Verschwörung gegen unsere Gesundheit geben sollte, bleibt festzuhalten, dass Humble lediglich eine hochgradig okkulte Alternative anbietet.

Auf dieser Folie liest sich allein der Titel von Humbles MMS-Buch Master Mineral of The Third Millennium ganz anders. Dieses Buch scheint zwar auf den ersten Blick ein Heilmittel zu beschreiben, entpuppt sich aber beim genaueren Hinschauen als eine Plattform für Humbles okkulte Lehre, die indirekt vermittelt wird. Damit wird unter anderem deutlich, dass Humble seine Weltanschauung tatsächlich öffentlich – wenn auch nicht immer offensichtlich – vertritt. Dabei kann er sich auch für einen Christen ausgeben, wie er dies bei den afrikanischen Missionen versuchte.

Die Methoden der okkulten Heilmethoden resultieren aus bestimmten Weltanschauungen. Deshalb ist es immer wichtig danach zu fragen, welches Weltmodell einer bestimmten Heilmethode zugrunde liegt. So erzählt Humble beispielsweise über einen Freund, der angeblich damit heilte, indem er die Kranken bestimmte Zahlen wiederholen lies. Weil das virtuelle Universum – so Humble – nichts anderes als ein Computer und die Krankheit ein Programm sind, kann durch das Wiederholen der Programmzahlen geheilt werden.2 Die Scientologen versuchen zum Beispiel negative Erfahrungen durch Wiederholungen von bestimmten Sätzen zu löschen.3 Auch wenn es unklar bleibt, warum durch die Wiederholung ein Programm bzw. eine Krankheit gelöscht werden kann, so kommt hier der Zusammenhang zwischen Weltanschauung und Heilkunde zum Ausdruck. Humbles Auffassung von Heilung basiert ebenfalls auf seinem Weltbild. Dies mag einleuchtend erscheinen, wird jedoch oft nicht berücksichtigt, wenn eine Heilmethode und das Medizinverständnis eines Heilers beschrieben werden.

Solche Phänomene wie okkulte Heilkunde sind ernst zu nehmen, weil sie keine Theorien bleiben. Humble plant beispielsweise sogar die Mütter zu bezahlen, damit sie zu Hause ihre Kinder nach seinem Programm zu besonders intelligenten Menschen erziehen, damit diese Elite den Weltfrieden ermöglicht.4 In diesem Kontext scheint es kein Zufall zu sein, dass Humbles Anhänger besonders auf Kinder mit Autismus abgesehen haben. So werden viele Menschen über die Arbeit von Kerri Rivera, eine Erzbischöfin der Genesis II Sekte, auf die Heilung von Autismus mittels MMS-Einläufe aufmerksam.5 Diese MMS-Einläufe sollen die angeblich für Autismus verantwortlichen Parasiten töten. Außerdem sind zahlreiche Mitglieder der Genesis II Sekte auf politischen und anderen Ebenen der Gesellschaft aktiv. Das wird – so Gott will und wir nicht vergiftet werden – in weiteren Teilen dieser Arbeit erläutert.

NOTIZ: Discounter Lidl verkaufte sogar 2010 ein MMS-Buch von Larry A. Smith.

Angesichts des Vorhergesagten ist festzuhalten: Wer Humbles Produkte kauft und befürwortet, unterstützt (finanziell) seine Genesis II Sekte und konfrontiert (wenn auch unbewusst) die Mitmenschen mit hochgradig okkulten Ideen und Praktiken. Deshalb – und aus vielen anderen Gründen – ist zu empfehlen, sowohl sich selbst als auch andere von Humbles okkulten Produkten, Gedanken und Praktiken fernzuhalten.

Haltet euch fern von dem Bösen in jeglicher Gestalt!

1. Thessalonicher 5,22

Fortsetzung folgt…

Fußnoten

1 Willibald Pschyrembel et al., Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 57. Abkürzungen des Originals hier ausgeschrieben.

1 Jim Humble, MMS: Der Durchbruch, 16. 1996 war er etwa 64 Jahre alt. Ist also ca. 1932 geboren.
2 Cindy Galli et al., „Fringe ,Churchʻ Founder on MMS: Itʼs No Cure“.
3 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 0.
4 Ebd., 1. Buch.
5 Jim Humble, MMS: Der Durchbruch, 25.
6 Zumindest gibt sie 2015 an, eine Scientologin zu sein. Das ist insofern interessant, als sie bereits im Jahr 2011 das Buch von ihrem Vater vertonte, obwohl er seit der Gründung seiner eigenen Sekte die Scientology kritisiert.
7 MMS Wiki, „Archbishop Jim Humble“; Jim Humble, „JHN: Vegetarianism and Veganism – Our Salvation or Our Hell?“
8 Jim Humble, Wundermittel MMS?, 00:05.
9 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“, 56
10 Jim Humble, Spirit of Health Kongress 2014, 15:40.
11 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“, 55.
12 Ebd.
13 Jim Humble, MMS: Der Durchbruch, 16.
14 Jim Humble, Spirit of Health Kongress 2014. Vgl. auch Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“. Diese Quellenangabe gilt für den ganzen Absatz.
15 Jim Humble, „Another Miracle, Autistic children healed“.
16 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, The Author.
17 Anonym, „Wer ist Jim Humble?“
18 Jim Humble, „Another Miracle, Autistic children healed“. Vgl. Jim Humble, „Facebook-Seite von Jim Humble“.
19 MMS Wiki, „Archbishop Jim Humble“.
20 Leo Koehof, „Produktinformation: Jim Humble – Erleuchtung. Die Wahrheit über Liebe, Religion und Erleuchtung“; Jim Humble, „Jim Humble’s Response to ABC News 20/20, 2016“.
21 Mark Grenon, „MMS Seminar in Argentina“.
22 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“.

1 Jim Humble, „The Next ‚You Can Be an MMS Teacher‘ Seminar“.
2 Ebd.
3 Soweit nicht anders angegeben, beziehe ich mich in diesem Kapitel auf dieses Interview und verzichte – anders als in weiteren Kapiteln – zwecks besserer Lesbarkeit auf Konjunktiv.
4 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“.
5 Seltsam, weil Menso ein männlicher Vorname ist und Nora bzw. Norra – ein weiblicher.
6 Jim Humble, „Further Data on Uniforms for the Genesis II Church“. Hervorhebungen, so weit nicht anders angegeben, hier und weiter von mir.
7 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“.
8 Jim Humble, „Further Data on Uniforms for the Genesis II Church“.
9 Jim Humble, „Another Miracle, Autistic children healed“.
10 Jim Humble, „What About When the Mayan Calendar Ends?“
11 Jim Humble, „Another Miracle, Autistic children healed“.
12 Jim Humble, „MMS/CDS Seminar & Your Life’s Journey“.
13 Ebd.
14 Jim Humble, Interview über Aliens, 23:30-23:50.
15 Jim Humble, „Another Miracle, Autistic children healed“.
16 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 11.
17 Ebd.
18 Ebd., Kap. 23.
19 Ebd., 1. Buch.
20 Ebd., Kap. 23.

1 Meine kritische Haltung gegenüber Humbles Ideen wird in dieser Arbeit durch teilweise umständliche Konjunktiv-Formulierungen zum Ausdruck gebracht.
2 Leo Koehof, „Produktinformation: Jim Humble – Erleuchtung. Die Wahrheit über Liebe, Religion und Erleuchtung“.
3 Jim Humble, Produktinformation: Secrets of Enlightenment.
4 Eine wichtige Quelle für diese Wiedergabe Humbles Weltbildes sind die Auszüge aus Geheimnisse der Erleuchtung, die im Nexus-Magazin zusammengestellt wurden. Vgl. Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“, Nexus-Magazin 44, Dezember-Januar 2013. Die zweite Quelle ist das englische Original Secrets of Enlightenment. Da mir keine Printausgabe vorliegt, kann ich beim Zitieren nur Kapitelnummern angeben, keine Seitenzahlen.
5 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, 1. Buch.
6 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
7 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 20.
8 Ebd., 1. Buch.
9 Jim Humble, „Vegetarianism Facts and Fallacies“.
10 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, 1. Buch.
11 Ebd., Kap. 21.
12 Ebd., Kap. 1.
13 Ebd., 1 Buch; Kap. 10.
14 Ebd., 1. Buch; vgl. Kap. 11.
15 Ebd., 1. Buch.
16 Ebd., Kap. 10.
17 Ebd., 1. Buch.
18 Ebd.
19 Ebd., Kap 10 und 1.
20 Ebd., Kap. 18.
21 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“. Hier und weiter wurde zwecks einheitlichen Zitieren aus dieser Quelle die Großschreibung der Pronomen in der Höflichkeitsform weggelassen.
22 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 15.
23 Ebd., Kap. 23.
24 Ebd., Kap. 5.
25 Ebd., 1. Buch.
26 Ebd., Kap. 13.
27 Ebd., Kap. 20.
28 Ebd.
29 Ebd., Kap. 0.
30 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
31 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 0.
32 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
33 Ebd.
34 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 19.
35 Jim Humble, „Seminar: The Truth Will Make You Free“.
36 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
37 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 20.
38 Jim Humble, „What About When the Mayan Calendar Ends?“
39 Ebd.
40 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
41 Ebd.
42 Ebd.
43 Ebd.
44 Ebd.
45 Ebd.
46 Jim Humble, „What is Going to Save Mankind?“
47 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 14.
48 Ebd., Kap. 12.
49 Ebd., Kap. 6 und 12.
50 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 12 und 21.
51 Ebd., Kap. 12.
52 Ebd., Kap. 22.
53 Ebd., Kap. 11.
54 Ebd.
55 Ebd.
56 Wahrscheinlich will Humble sich vor dem Vorwurf der Volksverhetzung oder Ähnlichem schützen, weil ansonsten das Zitieren aus einem Buch gesetzlich nicht verboten ist.
57 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, 1. Buch.
58 Ebd.
59 Ebd., Kap. 14.
60 Ebd., Kap. 23.
61 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
62 mmsnews.is, „Update on MMS’s fight for freedom“.
63 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 19.
64 mmsnews.is, „Update on MMS’s fight for freedom“.
65 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 15.
66 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
67 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 20.
68 Ebd., Kap. 15.
69 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“, 67.
70 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, 1. Buch.
71 Ebd., Kap. 15 und 20.
72 Ebd., Kap. 15.
73 Ebd.
74 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
75 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 20.
76 Ebd.
77 Ebd., Kap. 16.
78 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
79 Jim Humble, Secrets of Enlightenmentt, Kap. 2.
80 Ebd., Kap. 11.
81 Ebd., Kap. 16.
82 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
83 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 13.
84 Ebd., Kap. 16.
85 Ebd., Kap. 11.
86 Ebd., Kap. 9.
87 Ebd., Kap. 2, 9, 20.
88 Ebd., Kap. 2.
89 Ebd., Kap. 3.
90 Ebd., Kap. 13. Hervorhebung im Original.
91 Ebd., Kap. 9.
92 Ebd.
93 Ebd., Kap. 2.
94 Ebd.
95 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.

1 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“, 67.
2 Ebd.
3 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
4 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“.
5 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, 21.
6 Jim Humble, „What About When the Mayan Calendar Ends?“
7 Jim Humble, „Seminar: The Truth Will Make You Free“.
8 Ebd.
9 Jim Humble, „MMS/CDS Seminar & Your Life’s Journey“.
10 Ebd.
11 Ebd.
12 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“.
13 Ebd., 67; Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 19.
14 Jim Humble, „Vegetarianism Facts and Fallacies“.
15 Ebd.
16 Jim Humble, „MMS/CDS Seminar & Your Life’s Journey“.
17 Vergleiche Therapeutic Touch, One Light Healing Touch (OLHT), Healing-Touch usw.
18 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 17.
19 Ebd.

1 Jim Humble, MMS: Der Durchbruch, 60.
2 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“, 60.
3 Jim Humble, Secrets of Enlightenment.
4 Mark Grenon, „The Genesis II Church sacred stone Larimar now available!“
5 Jim Humble, „Jim Humble’s Response to ABC News 20/20, 2016“.
6 ABC News, Church Claims ,Miracle Cureʻ for Autism, 00:00-00:13.
7 Jim Humble, „Jim Humble’s Response to ABC News 20/20, 2016“.
8 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Rückseite.
9 Jim Humble, „MMS/CDS Seminar & Your Life’s Journey“; Jim Humble, „The Next ‚You Can Be an MMS Teacher‘ Seminar“.
10 Jim Humble, „What About When the Mayan Calendar Ends?“
11 Dr. Samuel Leuenberger, Scientology. Heilsweg „Dianetik“?, 43.
12 Jim Humble, „MMS/CDS Seminar & Your Life’s Journey“; Jim Humble, „What About When the Mayan Calendar Ends?“; Jim Humble, Interview über Aliens.
13 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“.
14 Ebd.
15 Dr. Samuel Leuenberger, Scientology. Heilsweg „Dianetik“?, 25–26.
16 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, 1. Buch.
17 Ebd.
18 Ebd., Kap. 1.
19 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.
20 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“, 67.
21 Jim Humble, „Interview mit Bill Ryan, Project Camelot“, 23.
22 Jim Humble, „Interview mit Bill Ryan, Project Camelot“.
23 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 20.
24 Ebd., Kap. 11.
25 Ebd., 1. Buch.
26 Ebd., Kap. 16.
27 Ebd., 1. Buch.
28 Ebd.
29 Ebd.
30 Ebd., Kap. 1.
31 Ebd., 1. Buch.
32 Ebd., Kap. 4.
33 Ebd., Kap. 16.
34 Ebd., Kap. 12.
35 Ebd., Kap. 16.
36 Ebd.
37 Ebd., Kap. 7.
38 Ebd., Kap. 9.
39 Ebd., Kap. 4.
40 Ebd., Kap. 7.
41 Ebd., Kap. 9.
42 Ebd., Kap. 12, 16.
43 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“, 67; Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 19.
44 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, 1. Buch.
45 Jim Humble, „Further Data on Uniforms for the Genesis II Church“.
46 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, 1. Buch.

1 Jim Humble, Produktinformation: Secrets of Enlightenment.
2 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, 1. Buch.
3 Dr. Samuel Leuenberger, Scientology. Heilsweg „Dianetik“?, 28.
4 Jim Humble, Interview über Aliens.
5 Jim Humble, „A Free Passport“.

Das Quellenverzeichnis ist im Buch zu finden.